Stellungnahme des LSBW zur Diskussion um die Rütli-Hauptschule in Berlin
Wieder wurden Schulpsychologen gerufen, um in einer Notlage Aktivität zu demonstrieren.
Das Schlaglicht auf die Misere an der Rütli-Hauptschule durch den Brandbrief des Kollegiums hat die Politiker und Bürger aufgeschreckt. Kenner des Schulsystems in unserem Land wundern sich allerdings nicht über die Spitze des Eisbergs, die hier sichtbar wurde.
Die Schulen, insbesondere die Hauptschulen, wurden bei der Aufgabe der Integration von Migranten fast allein gelassen. Dass die Eingliederung von Zuwanderern eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft ist, wurde in dem unseligen Streit, ob wir nun ein Einwanderungsland sind oder nicht, zu lange vernachlässigt. Dabei ist nicht zu übersehen, dass die Probleme an den Hauptschulen primär eine Folge der sozialen Auslese unseres Schulsystems sind. Diese werden noch verschärft durch den derzeitigen Ausbildungsplatzmangel, der die Lernmotivation der Schüler am Ende unserer Bildungsrangskala erheblich beeinträchtigt.
Es gibt keine Patentrezepte, aber klar ist, wir können diese Kinder und Jugendlichen nicht aufgeben. Wir brauchen sie in den kommenden Jahren dringend als aktive Mitglieder unserer Arbeitswelt und Gesellschaft.
Wir erleben gerade jetzt im Beratungsverfahren zum Übertritt in die Weiterführenden Schulen, wie Eltern mit allen Mitteln versuchen, ihren Kindern, den Weg in die Hauptschule zu ersparen, obwohl sich die Hauptschullehrer mit großem Engagement für ihre Schüler einsetzen.
Bei der Aufgabe, die schulischen Voraussetzungen für eine aktive Teilhabe der Heranwachsenden an unserer Gesellschaft zu schaffen, dürfen wir die Lehrerinnen und Lehrer nicht allein lassen. Sie brauchen nicht nur in Krisensituationen Unterstützung durch Fachleute, damit sie das gut tun können, wofür sie ausgebildet sind, nämlich zu unterrichten.
Würden in Baden-Württemberg, wie jetzt in Berlin geschehen, zwei Schulpsychologen einer Schule zugeordnet, wären etwa eine Stadt und ein Landkreis für diese Zeit ohne schulpsychologische Versorgung. Der Verband der Schulpsychologen in Baden-Württemberg nimmt dies zum Anlass, auf die im deutschen und internationalen Vergleich besonders schlechte Versorgung mit Schulpsychologen in unserem Bundesland hinzuweisen. Bei 35-40000 Schülern auf einen Schulpsychologen können wir den Schulen nicht die Unterstützung geben, die sie dringend bräuchten.
07.04.2005
Friedbert Mayer
Vorsitzender